Tiere, die früher im Rebberg keine Überlebenschancen hatten

Regenwürmer sind Zwitter, erwachsene Tiere tragen einen Genitalring.
Der Regenwurm ist ein wichtiger Mitarbeiter der Rebbauern, der aber so bescheiden ist, dass er nicht einmal Stundenlohn verlangt. Doch die Rebleute müssen schon ein wenig nett zu ihm sein. Überdüngte Böden mag er gar nicht, und Pestizide hasst er. Hingegen liebt er eine massvolle, organische Düngung und natürlich begrünten Boden. Die Regenwürmer, in ihrer unablässigen Suche nach Pflanzenresten, nehmen pro Jahr und Are ca. 200 kg. Erde auf. Sie bohren und fressen sich fortwährend durch das Erdreich und vertilgen dabei grosse Mengen von verrotteten Pflanzenteilen, die vorab von Bakterien und Pilzen zersetzt wurden. Grünzeug, das noch zu frisch auf dem Boden liegt, ziehen die Regenwürmer nachts in ihre Gänge, um es von Mikroorganismen für sie mundgerecht machen zu lassen. Angerottetes Material wird im Muskelmagen zusammen mit mineralischen Teilchen fein zermalen. Unverdauliches und zum grössten Teil nicht benötigte pflanzliche und mineralische Inhaltsstoffe scheidet der Regenwurm wieder aus. Deshalb ist die Wurmlosung sehr nährstoffreich und wertvoller Humus. Mit dem unendlichen Gangsystem der Regenwürmer wird der Boden durchmischt. Es entstehen Lüftungskanäle, so dass Luft und Wasser zu den Pflanzenwurzeln gelangen kann.

Dass der Regenwurm im Balgacher Rebberg Einzug gehalten hat, zeugt von der naturnahen Bewirtschaftung des Rebbergs.

Feldgrille
Man hört wieder die Grillen zirpen. Das Abbrennen der Gräser unter den Rebstöcken mit einem umweltverträglichen Mittel (nach strenger Vorschrift) schafft wiederum apere sonnige Stellen für Grillen und Eidechsen und zudem auch Raum zur Vermehrung von einjährigen Kräutern. Grillen und Eidechsen, es sind die Zauneidechsen, lieben ganz besonders die warmen, trockenen Rebhänge. Weil die Böden nicht mehr gehackt werden, verlieren die Grillen nun auch ihre „Wohnungen“ nicht mehr. Sonnenschein und Wärme locken das Männchen im Frühling aus der Erdhöhle, um mit lautem Gezirpe, seinem Lockgesang, dem Weibchen sein Dasein zu verkünden. Pro Jahr gibt es eine Generation. Ausgewachsene Grillen leben in 30 – 40 cm tiefen Erdhöhlen. Nahrung: teils pflanzlich, teils tierisch. Das Zirpen erzeugt das Männchen mit Reiben seiner Stummelflügel am Körper. Auch Blindschleichen existieren im Rebberg. Man bekommt sie zwar selten zu Gesicht, denn tagsüber leben sie meistens unter einer leichten Erdschicht am Fusse des Rebenstamms, und in gewissen Parzellen gibt es auch Ringelnattern. Auch Grillen können nur in gesundem Erdreich leben.

Das selten gewordene Heupferd hat den Lebensraum Rebberg entdeckt.

Das Grüne Heupferd, Weibchen, mit Legestachel

Was für ein Staunen, als ich das Grüne – oder auch Grosse Heupferd genannt, wieder entdeckte. Jahrzehnte nicht mehr gesehen, ist es nun wieder da. Was doch eine gesunde Bewirtschaftung von Böden bewirken kann. Sogar in unserm Garten, mit der wirklich kleinen Wiese, sah ich es schon wegflattern, und einmal verriet es mir mit seinem feinen Zirpen seinen Standort auf dem Sommerflieder.

In der Zwischenzeit sah ich das Grüne Heupferd nun schon oft im Rebberg, auch verschiedene kleine „Heugümper“, wie z.B. die Strauchschrecke.

Beim Grünen Heupferd gibt es eine Generation pro Jahr. Überwinterung als Eier im Boden. Larvenstadien ab Mai. Ausgewachsene Schrecken ab Juli. Lockgesang des Männchens, feines Zirpen, viel leiser als bei der Grille. Das Hörorgan sitzt an den Vorderbeinen, und das Aufspüren dieser Tierchen ist recht schwer, denn bei der kleinsten Bewegung in ihre Richtung verstummt das Zirpen. Das Weibchen besitzt einen Legestachel. Junglarven ernähren sich gerne von Blattläusen. Grössere Larven und die ausgewachsenen Heupferde machen Jagd auf grössere Beute, wie Fliegen, Raupen und andere Insekten. Als Allesfresser nagen sie auch an Gräsern und anderen Pflanzen. (Habe noch nie Pflanzenschäden festgestellt).
Das Männchen auf einem Rebenblatt

Sandwespe

Nun habe ich kein schlechtes Gewissen mehr.
Das Abbrennmittel (ein Mittel, um die Begrünung rund um die Rebstöcke kurz zu halten), das ich in einer Parzelle mit eng stehenden Rebstöcken ausbrachte, ist also für die Fauna kein Hindernis, sich einzunisten. Gleich zwei, mit Moos ausgepolsterte Nester von der Ackerhummel habe ich angetroffen. Ich konnte mich nur wundern, wie sie wohl das viele Moos hergeschleppt haben.

Nest einer Ackerhummel im Rebberg
Blutzikade, nicht zu verwechseln mit der Feuerwanze
Wanzen, aber keine Plaggeister der Menschen, Fliegen, die aussehen wie Wespen, aber nur zu ihrer Tarnung, ein Wespenbock, der aber nicht stechen kann wie eine Wespe.

Baumwanze
Steifenwanze
Beerenwanze
Dickkopffliege
Schwebefliege

Wespenbock

Die Spinnen fühlen sich im Rebberg wohl

Spinnenkokon am Rebstickel
Raubspinne mit ihrem Eikokon

Raupen und Sommergauckler

Hauhechel Bläuling

Admiral




Raupe des Aurorafalters

Russischer Bär
Schmetterlingsraupen an der Brennessel

Augenfalter
Brauner Feuerfalter

Reh-Kitz, geborgen im Rebberg
Aber bitte nicht berühren, sonst verlässt die Rehgeiss das Junge, und es muss sterben. Altrehe riechen es, wenn Menschen ihr Junges berührt haben, und nehmen es darum nicht mehr an.

Im Rebberg haben Rehe wohl mehr Ruhe als im Wald. Das Rehkitz ist eingebettet in den Girsch-Pflanzen. (Baumtropfen, Buechkrut.) Diese wachsen sehr gerne im Rebberg. Für Insekten sind deren Blüten sehr willkommen. Girsch lässt sich leicht mähen, verdrängt aber mit ihrem dichten Wurzelwerk alle anderen Pflanzen.

Die Natur im Balgacher Rebberg ist vielfältig.
Zur Natur im Rebberg gehören aber nicht nur die eigentlichen Rebparzellen, sehr wichtig sind auch angrenzende kleine Wiesen. Diese dürfen ruhig als Steifen oder einem kleinen „Blätz“ existieren. Diese mäht man spät, damit die Pflanzensamen ausreifen können. Das Schnittgut wird zusammengenommen, damit der Boden damit nicht gedüngt wird. Eingestuft als sehr wichtig werden auch Rebenböschungen, Karrenwege, Kieswege, Weglein zwischen den Parzellen mit Trittpflanzen, Treppen mit Steinplatten und Holzbalken, Ecken mit Brennesseln und Brombeerstauden und Gebüsch. All dies macht einen Rebberg vielfältig und lebendig. Da können sich viele Pflanzen ungestört ausbreiten und vermehren. Disteln und Brennessel, Salbei, Wilder Majoran, Witwenblume, Flockenblume, Sauerampfer, Schafgarbe, Labkraut und noch viele mehr und natürlich viele verschiedene Gräser. Sie alle haben ihre Wichtigkeit für Insekten, Spinnen, Käfer und sonstige Lebewesen. Sehr nützlich sind natürlich auch Bruchsteinmauern.

«Heute gehört der Rebberg dank seiner grossen pflanzlichen Vielfalt zu den artenreichsten landwirtschaftlichen Ökosystemen. Die vorhandenen Pflanzen bieten einer Vielfalt von Tieren Nahrung und Möglichkeiten zur Fortpflanzung – eben: Lebensraum.»
Aussage eines Forschungsfachmanns