Ein Hotel im Rebgelände

Mein Hotel Wildbiene

Ich hatte eine Vision, konnte sie aber nicht selber verwirklichen. Meine Erklärung in dieser Angelegenheit an meinen Mann tönte etwa so: „Weißt du, ca. so gross und so hoch und nicht breiter als so“, dabei fuchtelte ich mit meinen Armen in der Luft herum und brachte meinen Mann der Verzweiflung nahe, was wusste er schon über ein Wildbienenhotel. Doch zuletzt stand es ganz passabel an meinem gewünschten Platz und erregt die Neugier der Spaziergänger. Eine Hinweistafel gibt die nötigen Erklärungen über dieses Hotel.

Also, zu einer unserer Rebparzellen gehört auch eine Wiese. Sie wird durch einen grasbewachsenen Karrenweg vom Rebberg getrennt und auf zwei Seiten durch eine Hecke vom Wald durch Holunder, Liguster, Schwarzdorn, Brombeeren und Brennnesseln abgegrenzt. Eine hohe Böschung bewirkt, dass die Wiese nur noch eine leichte Neigung aufweist, im Gegensatz zu den Reben, die am Steilhang gedeihen.

In diese Wiesenböschung haben wir mein Hotel für Wildbienen gebaut. Zur Ausstattung benötigte ich Eichen- und Buchenklötze (Hartholz), Holunderzweige (sie haben weiches Mark), Schilf und abgeblühte Wilde Karden. In die Holzklötze bohrte ich Löcher von 3-4 mm Durchmesser, nicht zu nahe beieinander und nicht ganz durch. Den Schilf schnitt ich hinter dem Knoten (hintere Seite ist dann zu) in 20-40 cm lange Stücke, ebenso die anderen Zweige, hängte sie büschelweise an die Hotelwand, die Schilfhalme steckte ich in Konservenbüchsen und zwängte sie in die Hohlräume von Backsteinen und Tonröhren. Ebenso stopfte ich Holzwolle in Blumentöpfe und Tonröhren. Da nisten sich dann verschiedene Insekten ein, nicht etwa nur der Ohrwurm, wie überall geschrieben wird. (Bei meinen Beobachtungen sind es mehrheitlich Spinnen.) Auch bastelte ich eine Lehmwand, die für gewisse Hautflügler nötig ist. Hinter dem Hotel stapelte ich dicke Baumäste mit Rinde, und an der Seitenwand häufte ich einen überdachten Minisandhaufen für den Ameisenleu auf. Auch schmückte ich das Hotel mit allerlei Ästen, Rebholz und moosbewachsenen Steinen.

Mit einem kleinen Bruchsteinmäuerchen erwirkte ich vor dem Hotel Wildbiene ein ebenes Plätzchen, das ich mit Kies und Sand ausebnete und mit einheimischen Sedum bepflanzte.

Kaum war das Mäuerchen fertig, erschienen schon die ersten Zauneidechsen. Sie lieben die warmen Sandsteine. Da liegen sie dann regungslos in der Sonne. Doch das geringste Geräusch, eine Bewegung, ein Schatten, und sie verschwinden blitzschnell in einer Mauerspalte. Trotzdem hat es ein Eidechsenweibchen erwischt. Indem es rasch seinen Schwanz losliess, der dann allein weiter zappelte, irritierte es mit diesem Trick den Räuber so sehr, dass es sich doch noch in Sicherheit bringen konnte. Später wird der Schwanz wieder einigermassen schön nachwachsen.
Einheimischer Mauerpfeffer vor dem Hotel Wildbiene.
Milder Mauerpfeffer: Sedum sexangulare;
Scharfer Mauerpfeffer: Sedum acre;
Weisser Mauerpfeffer: Sedum album.
Sedum album als wunderschöne Blüte.
Die Natur meldet sich zurück.

Warme Frühlingstage lassen die Wildbienen aktiv werden. Sie tragen Nektar und Blütenpollen in die ihnen zusagenden Hohlräume, legen ein Ei dazu und schliessen es als kleine Kammer ab. Für das später ausschlüpfende Räupchen sind Nektar und Blütenpollen Nahrung, um das Überleben zur Fortpflanzung zu gewährleisten.

Wildbiene verlässt das Bohrloch
Eine Wildbiene schlüpft vorwärts ins Bohrloch und würgt Nektar aus.

Wildbienen gehören zur Gattung der Hautflügler. Auch die Honigbienen, Hummeln, Wespen und Hornissen gehören dazu. Sie alle tragen zur Bestäubung der Pflanzen bei. Ohne diese Insekten gäbe es keine blühenden Bäume und keine blühenden Blumen. Wildbienen legen mehrere Kammern an. Es kann vorkommen, dass sie die letzte Kammer leer lassen, um einem Feind die Möglichkeit für räuberisches Tun zu vergällen. In diesem Fall legen sie das männliche Ei in die Kammer davor. Dieses Ei ist etwas kleiner, damit es zeitgleich mit den weiblichen Eiern zum Insekt ausgebildet wird. Die Weibchen werden beim Ausflug vom Männchen begattet. Zum Fortbestand ist nur das Weibchen aktiv.

Wildbienen sammeln keinen Honig.

In der Schweiz kennt man rund 580 Arten von Wildbienen. Die meisten leben einzeln. Sie bilden kein Volk wie die Honigbienen und sammeln keinen Honig. Art und Form der Wildbienen sind deren viele. Einzelne sehen aus wie kleine Fliegen oder ähnlich einer fliegenden Ameise (das gibt es) oder wie kleine Honigbienen. Das Weibchen besitzt einen Stachel, doch zum Stechen ist er viel zu schwach, er kann die menschliche Haut nicht durchdringen. Zum Schluss werden die Bohrlöcher von den Wildbienen mit verschiedenem Erdmaterial zugemauert.
die gleiche Wildbiene schlüpft rückwärts ins Loch und streift den Blütenstaub ab.

Eine Schulklasse orientiert sich über das Bienenhotel und will auch eines bauen.

Die Natur erobert – und schmückt das Bienenhotel, und eine Tannenmeise wollte darin eine Unterkunft mieten. Doch sie wählte ihre Bleibe im Parterre, ein Fuchs fand das nicht in Ordnung und machte alles zunichte. Nun hängt eine Vogelbrutkiste zwischen den Dornenzweigen des Wildrosen-Strauchs. Bereits sind mehrere Bruten von Meisen, wohl mehrheitlich Kohlmeisen, ausgeflogen.